- Volkswagen kündigt neue globale Allianz an
- Zusammenarbeit mit Ford bei Entwicklung von Transportern und Pickups
- Beide prüfen auch gemeinsame Möglichkeiten im Bereich Elektrofahrzeuge
- Volkswagen plant bis 2025 mindestens 50 E-Automodelle
- Analysten bleiben optimistisch für die Zukunft des Unternehmens
- Aktie überwindet 50-Tage-Linie und notiert über 150 EUR
Die Automobilhersteller auf der ganzen Welt hatten es im vergangenen Jahr schwer, da Handelskriege und die Besorgnis über eine globale Konjunkturabschwächung die Stimmung gegenüber der Industrie belasteten. Das wachsende Bewusstsein für Umweltschäden zwingt die Regulierungsbehörden jedoch dazu, Elektrofahrzeuge zu bevorzugen. Überraschenderweise scheint Volkswagen (VOW.DE / WKN: 766403) - das Unternehmen, das mit dem größten Emissionsskandal der Geschichte in Verbindung gebracht wird - dank der neu angekündigten globalen Allianz und der eigenen ehrgeizigen Pläne ein Spitzenreiter bei der Wende zur Elektromobilität zu werden.
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Konto eröffnen DEMO TESTEN xStation App herunterladen xStation App herunterladenVolkswagen konnte in den letzten zehn Jahren die Umsätze kontinuierlich steigern. Der deutliche Rückgang der Gewinnmarge zu Beginn des Jahres 2012 führte jedoch zu einer deutlichen Ergebnisbelastung des Unternehmens. Der Ergebniseinbruch im vierten Quartal 2015 war eine Folge des Dieselskandals. Quelle: Bloomberg, XTB Research
Volkswagen stand im Mittelpunkt eines der größten Unternehmensskandale zu Beginn dieses Jahrzehnts. Im Jahr 2015 tauchte der so genannte "Dieselskandal” auf, als eine Studie des Forschungsinstituts “International Council on Clean Transportation” und der Universität West Virginia Bedenken hinsichtlich der Menge der giftigen Abgase von Volkswagen-Fahrzeugen in den USA äußerte. Die Automobilfirma wies zunächst alle Vorwürfe zurück, gab aber später zu, dass die Software in ihren Fahrzeugen darauf programmiert sei, Emissionstests zu überlisten. Die Nachricht, dass bis zu 11 Mio. Autos von illegaler Software betroffen sein könnten, löste eine Welle von Klagen aus. Dies veranlasste Volkswagen bis heute mindestens 27 Mrd. USD an urteilsbezogenen Kosten zu zahlen. Der Geldbetrag, den Volkswagen zu zahlen hat, nimmt jedoch von Jahr zu Jahr ab. Derzeit wird erwartet, dass das Unternehmen im Jahr 2019 zusätzliche 2 Mrd. USD und im Jahr 2020 nochmals 1 Mrd. USD zahlen muss. Auch wenn keine weiteren Ausgaben im Zusammenhang mit dem Dieselskandal erwartet werden, bedeutet dies nicht, dass wieder alles wie vor dem Jahr 2015 wird. Das Image von Volkswagen wurde stark beschädigt und die sich abzeichnende globale Abschwächung dämpft die Begeisterung in der Automobilindustrie.
Volkswagen war der einzige große Automobilhersteller, der 2018 keinen Rückgang der Fahrzeugverkäufe verzeichnete. Quelle: Bloomberg, XTB Research
Deshalb entschloss sich Volkswagen in Übersee nach Verbündeten zu suchen. Das Unternehmen kündigte offiziell während der Auto Show 2019 in Detroit an, dass es eine globale Allianz mit dem US-Konkurrenten Ford (F:US / ISIN: US30225T1025) eingeht. Der Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt auf kommerziellen Transportern und Pickups. Beide Unternehmen hoffen, dass gemeinsame Anstrengungen es ihnen ermöglichen werden, eine ausgeglichene Massenproduktion zu erreichen und Kosteneinsparungen zu erzielen. Die ersten gemeinsam entwickelten Fahrzeuge sollen 2022 die Werke verlassen, während die mit der Partnerschaft verbundenen Ertragssteigerungen 2023 sichtbar sein sollten. Sowohl Volkswagen als auch Ford verfügen über starke Segmente für leichte Nutzfahrzeuge und Pickups, und eine Zusammenarbeit in diesem Bereich wird voraussichtlich eine dominante Kraft auf dem Markt bilden. Das größte Potenzial dieser Partnerschaft liegt jedoch an anderer Stelle: Neben der gemeinsamen Entwicklung von Transportern und Pickups werden die beiden Unternehmen auch Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Bereich Elektrofahrzeuge prüfen.
Bei den Investitionen in der Automobilindustrie gibt es ein starkes saisonales Muster. Volkswagen gehört zusammen mit BMW (BMW.DE / WKN: 519000) zu den Unternehmen, die in den arbeitsreichsten Quartalen die größten Investitionen tätigen. Quelle: Bloomberg, XTB Research
Während bisher keine Pläne zur gemeinsamen Entwicklung von Elektrofahrzeugen bestehen, werden Volkswagen und Ford ihre Ansichten über die Technologie austauschen und untersuchen, wie sie sich in diesem Bereich einen Vorteil verschaffen könnten. Ein solcher Schritt könnte beiden Unternehmen helfen, ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Ford plant von 2015 bis 2022 bis zu 11 Mrd. USD für die Entwicklung von Elektrofahrzeugen auszugeben, während Volkswagen bis 2025 sogar 44 Mrd. USD in die neue Technologie investieren will. Ford will bis 2022 insgesamt 40 Elektromodelle entwickeln, während Volkswagen das Ziel verfolgt, im Jahr 2025 nicht weniger als 50 Elektrofahrzeuge anzubieten. Kein anderer Automobilhersteller hat bisher so ehrgeizige Pläne wie Volkswagen. Abhängig vom Ausmaß der Zusammenarbeit mit Ford könnte es bei Elektroautos zu erheblichen Kostensynergien kommen. Falls die beiden Unternehmen beschließen, gemeinsam Elektro-Technologien zu entwickeln, könnten Einsparungen bei der Infrastruktur erzielt werden. Dies wäre besonders erfreulich für Volkswagen, da bis 2025 weltweit 16 Werke zur Herstellung von Elektrofahrzeugen eröffnet werden sollen.
Die von Bloomberg erhobenen Empfehlungsdaten zeigen, dass die Analysten für Volkswagen weiterhin optimistisch eingestellt sind. Über 80% der Analysten empfehlen den Kauf des Automobilherstellers, während nur 9,7% den Verkauf der Aktie empfehlen. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel liegt bei 198,09 EUR, was eine Steigerung von über 30% gegenüber dem derzeitigen Kurs bedeutet. Quelle: Bloomberg
Die Fortschritte im Segment der Elektrofahrzeuge wurden immer mehr angestrebt, nachdem die europäischen Behörden strengere Abgasvorschriften gefordert hatten. Viele Branchenmitglieder behaupten, dass die vorgeschlagene Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes um 35% in den nächsten 15 Jahren nahezu unmöglich sei. Während der Vorschlag noch geprüft wird, erscheint es unwahrscheinlich, dass eine Maßnahme zur Begrenzung der Emissionen um weniger als 30% verabschiedet wird. Darüber hinaus erwägen die Regulierungsbehörden auch, Automobilhersteller zu bestrafen, die nicht eine bestimmte Anzahl von emissionsarmen oder -freien Fahrzeugen herstellen. Volkswagen entschied sich, keine Zeit mit dem Warten auf die Genehmigung der Verordnung zu verschwenden und begann sich auf die Revolution auf dem Automobilmarkt einzustellen. Das deutsche Unternehmen hat bereits angekündigt, 800 Mio. USD in den Ausbau der Produktionskapazitäten und die Anpassung an die Produktion von Elektrofahrzeugen in seinem Werk in Tennessee, USA, zu investieren. Darüber hinaus sagte Hans Dieter Pötsch, Aufsichtsratchef von Volkswagen und Vorstandsvorsitzender von Porsche, in einem aktuellen Interview, dass das Unternehmen in eine große Batterieproduktion investieren werde, sobald die dafür erforderliche Technologie bereit steht. Es sei darauf hingewiesen, dass es einige Zeit dauern wird, bis sich diese Vorteile bezahlbar machen, aber vorerst scheint Volkswagen aufgrund seiner Größe, der neuen Partnerschaft mit Ford sowie der größten liquiden Mittel unter den fünf größten Automobilherstellern der Welt am besten vor der großen Wende positioniert zu sein. Die Ansicht spiegelt sich auch in den Empfehlungen der Analysten von verschiedenen Finanzinstituten wider.
Volkswagen notiert seit einem halben Jahr in einer Konsolidierung. Die Aktie konnte jedoch die 50-Tage-Linie (in grün) durchbrechen, so dass eine längere Aufwärtsbewegung bevorstehen könnte. Nachhaltige Bewegungen über der 200-Tage-Linie (in violett) sind hier von besonderer Bedeutung. Quelle: xStation 5
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